In den Bergen von Sri Lanka liegt mitten im Wald das buddhistische Meditationszentrum Nilambe. Wer an buddhistischer Meditation interessiert ist und nicht gleich zu Beginn ganze 10 Tage in ein strenges Kloster gehen möchte, ist hier genau richtig. Im folgenden Beitrag beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um die Planung und den Aufenthalt in Nilambe.

Was ist das Nilambe Meditationszentrum?

Wie der Name schon sagt, ist es ein Zentrum und KEIN Kloster. Der größte Unterschied ist, dass bis auf den Leiter, keine Mönche dauerhaft im Zentrum leben. Während in einem Kloster streng gefastet wird (am Abend gibt es dort nur flüssige Mahlzeiten) und in der Lotusstellung meditiert wird, ist es in Nilambe etwas „Laien-freundlicher“. Auch am Abend gibt es Toast oder mal eine Suppe und die Position beim meditieren kannst Du ständig ändern, wenn es unerträglich wird.

Es werden verschieden Arten des Meditierens geübt:

  • Gruppenmeditationen
  • Selbstständige Meditation
  • Sitzmeditation
  • Gehmeditation
  • Stehmeditation
  • Arbeitsmeditation

Der Tagesablauf ist sehr strukturiert und jeden Tag gleich. Was auf dem ersten Blick sehr stressig aussieht, ist in der Realität sehr angenehm und entschleunigend. Die Meditationseinheiten sind gut über den Tag verteilt und sehr abwechslungsreich: mal bist Du alleine, mal gehst Du, mal meditierst Du im Freien.

Der Tagesablauf

  • 4:45: Morgengong
  • 5:00 – 6:00: Morgenmeditation
  • 6:00 – 6:30: Morgentee
  • 6:30 – 7:30: Yoga
  • 7:30 – 8:00: Frühstück
  • 8:00 – 9:30: Arbeitsmeditation
  • 9:30 – 11:00: Gruppenmeditation
  • 11:00 – 12:00: Vortrag vom Leiter Upul
  • 12:00 – 14:00: Mittagessen und Pause
  • 14:00 – 14:30: Gehmeditation
  • 14:30 – 16:00: Gruppenmeditation
  • 16:00 – 16:30: Nachmittagstee
  • 16:30 – 18:00: Gruppenmeditation
  • 18:00 -18:30: Abendessen
  • 18:30 – 19:15: Chanting
  • 19:15 – 20:00: Gruppenmeditation
  • 20:00 – 21:00: Zeit für Fragen, Diskussion
  • 21:00: Schlafzeit

Der Ort

Das Meditationszentrum ist von Natur umgeben und hat irgendwie eine magische Wirkung. Du kommst dort an und merkst nach und nach, wie Du dich immer besser auf das hier und jetzt besinnen kann. Es gibt keinen Autolärm, der die Ruhe stört und ja – noch nichtmal jemanden, der dich mit langweiligen Smalltalks belästigt. Wenn Du auf den Treppen sitzt, hast du einen Großteil der Anlage im Blick und noch dazu einen herrlichen Ausblick auf die hügelige Landschaft. Es fühlt sich an, als wärest Du in einem riesigen Garten, umgeben von Jackfrucht-Bäumen, Affen und Vögeln, die ihre Lieder singen. Der ganze Ort strahlt eine tiefe Ruhe aus und geht komplett in einen über.

Blick von den Stufen auf den Garten

Die Zimmer

Die Zimmer sind sehr einfach und klein und Du solltest keinen Luxus erwarten. Die Zimmer von Frauen und Männern sind getrennt und an verschiedenen Orten. Wir hatten Glück und je ein eigenes Zimmer für uns alleine. Als Bett dient eine Matratze, es gibt einen kleinen Tisch als Ablagefläche und eine Stange, auf der Du mit (vorhandenen) Kleiderbügeln etwas aufhängen kann. Moskitonetze bekommst Du im Büro. Manche Zimmer haben ein Licht und andere nicht. Diese „Lampen“ sind aus einer leeren Butterdose gemacht und ganz einfach bei der Tür befestigt. Du bekommst zum Schlafen ein Leintuch, Decke und einen Polster mit Überzug. Am Ende des Retreats bist Du selbst dafür verantwortlich, dass das Leintuch und der Polsterbezug wieder gewaschen werden und das Zimmer sauber verlassen wird.

Zimmer in Nilambe

Das Essen

Im Gegensatz zu buddhistischen Klöstern, in denen gefastet wird, gibt es hier ganz normales Essen. Ok, ganz normal ist es vielleicht auch nicht, weil der Koch ein richtiger Zauberer am Herd ist. Das Essen war jedes Mal hervorragend und es gab jeden Tag etwas anderes. Morgens hatten wir mal Porridge mit Datteln und Nüssen, mal Roti mit Dahl oder auch Dosa mit Gemüsesoße. Mittags gab es immer Reis mit verschiedenen Beilagen und jedesmal entweder Früchte oder sogar eine Nachspeise. Abends kannst Du dir einen Marmeladetoast streichen und zweimal gab es bei uns eine köstliche Gemüsesuppe. Morgens nach der Meditation und am Nachmittag gab es Tee. Jede Mahlzeit ist vollkommen vegetarisch und wird immer frisch zubereitet. Du musst dir also überhaupt keine Sorgen machen, dass Du zu wenig bekommt.

Mittagessen
Küche

Wie komme ich zum Nilambe Meditationszentrum?

Von Kandy ist das Nilambe Meditationszentrum ca. eine Autostunde entfernt. Der Preis mit dem Tuktuk beträgt ca. 1.500 LKR (~7,50€). Wenn Du dir mit der App „Uber“ ein Taxi holst, bezahlst Du ca. das Gleiche. Du sieht das Zentrum allerdings erst, wenn Du wirklich davor stehst. Es gibt zuvor glücklicherweise einige Schilder, anhand derer Du weißt „Ah, ich bin hier doch noch richtig!“, und plötzlich stehst Du vor dem beim Eingangstor.

Gibt es dort Internet?

Wlan gibt es keines. Je nachdem, welche lokale SIM-Karte Du hast, variiert der Empfang. Wir hatten eine von Mobitel und hatten damit zwar Internet, aber sehr schlechtes. Abgesehen davon solltest Du wirklich probieren, in dieser Zeit das Handy bewusst zur Seite legen, abzuschalten und sich auf die Meditation zu konzentrieren. Mit dem Handy herumlaufen wird jedenfalls garnicht gerne gesehen.

Gibt es im Zentrum Strom?

Es gibt so viel Strom, dass es Lichter in den wichtigsten Räumen und in einigen Zimmern gibt. Steckdosen suchst Du hier allerdings vergeblich und werden für die Tätigkeiten im Zentrum auch nicht benötigt. Wer sein Handy für den Wecker braucht, sollte mit dem Akku entweder sehr sparsam umgehen oder sich ein Akkupack einpacken.

Lampe im Zimmer aus einer Butterdose

An welche Regeln musst Du dich halten?

Wie auch auf der Homepage deutlich gemacht wird, handelt es sich um KEINEN Urlaub. Das sollte Dir vor dem Retreat auch wirklich klar sein, weil Du dich an gewisse Regeln zu halten hast. Ruhe und angemessene Kleidung sind dabei die wichtigsten Vorschriften, die auch von allen eingehalten und respektiert werden.

Darfst Du wirklich gar nicht sprechen?

Es ist nicht absolut verboten zu sprechen – wenn Du wegen etwas nachfragen musst, soll das im Flüsterton gemacht werden. Wer einen ganz wichtigen Anruf tätigen muss oder unbedingt über etwas sprechen muss, sollte das nicht in der Nähe der anderen machen. Wir geben ehrlich zu, dass wir es nicht ganz geschafft haben, 6 Tage nicht miteinander zu sprechen. Wir haben uns dazu einen Platz gesucht, wo niemand in der Nähe war und haben dort ganz leise gesprochen. Es wird jedenfalls niemand auf dich zukommen und dir eine Standpauke halten. Wenn Du dich nicht an diese Regeln hältst und lautstark mit jemanden sprichst, wird aber sicher jemand etwas sagen und dich auf die Regeln aufmerksam machen.

Welche Kleidung brauchst Du?

Frauen wie Männer brauchen Kleidung, die die Schultern und die Knie bedeckt. Die Kleidung sollte gemütlich sein, da Du im Schneidersitz sitzt und es sollte auf keinen Fall durchsichtig sein. Am Abend und in der Nacht kann es sein, dass es kühler wird. Dazu brauchst Du jedenfalls einen Pullover oder eine Jacke. Auch zum Schlafen empfiehlt sich wärmere Kleidung, weil die Decken nicht besonders dick sind.

Hast Du dort auch Freizeit?

Es gibt im Grunde zweimal am Tag die Möglichkeit, die Zeit frei zu gestalten. Am Morgen ist für Yoga eine Stunde einberechnet. Du musst nicht zwingend in der Yogahalle Yoga machen, aber Du solltest in dieser Zeit auch nicht schlafen. Auch die Mittagspause kannst Du frei gestalten. Im Grunde ist keine der Aktivitäten zwingend verpflichtend, aber da Du freiwillig dort bist und die Plätze beschränkt sind, solltest Du so viel wie möglich aus dieser Zeit herausholen und an den Meditationen teilnehmen.

Yogaraum

Wo kannst Du dich anmelden? Wie lange im Voraus?

Sobald Du dich dafür entschieden hast, an einem Retreat teilzunehmen, solltest Du dich über die Termine informieren. Das Zentrum ist oft schon früh ausgebucht und deshalb gilt hier die Devise „je früher desto besser“. Die Termine findest Du >>hier<< auf der Homepage, wo Du auch sehen kannst, welche noch frei sind und von wem es geleitet wird. Dort findest Du auch die Anmeldung, die innerhalb von einer Minute erledigt ist. Dann wartest Du auf eine E-Mail vom Meditationszentrum und bestätigst deinen Aufenthalt nochmal mit einer Antwort. Es ist keine Vorauszahlung oder ähnliches notwendig.

Wodurch unterscheidet es sich von einem Kloster?

In einem Kloster wird gefastet, in der Lotusstellung meditiert und sich beim Meditieren am Besten gar nicht bewegt. Im Meditationszentrum Nilambe ist es ein wenig „Laien-freundlicher“. Du sitzt beim Meditieren nicht in der Lotusstellung, sondern im Schneidersitz. Wenn das zu anstrengend wird (und das wird es!), kannst Du auch jede andere Sitzposition einnehmen. Auch das Essen wird nicht so streng gehandhabt. Es gibt immer genug zu essen in Form eines Buffets, von dem Du dir sogar nachholen kannst. Das Essen ist immer sehr gut berechnet, so dass wirklich niemand hungern muss. Das Zentrum erschien uns wie eine Art „Light Version“ von einem strengen buddhistischen Kloster und bietet eine gute Möglichkeit, einen Blick in die Meditation zu werfen.

Was musst Du unbedingt mitnehmen?

Taschenlampe

Auch wenn Du am Handy eine Taschenlampe hast, solltest Du eine richtige Taschenlampe mitnehmen. Wir haben dort niemand mit einer Handy-Taschenlampe leuchten sehen und da Handys auch nicht wirklich erwünscht sind, solltest Du zu einer richtigen „oldschool“-Taschenlampe greifen.

Wecker

Entweder Du nutzt den Handywecker oder einen klassischen Wecker. Es gibt am Morgen zwar den Gong, der mystisch durch den Wald klingt, wir wollten aber auf Nummer sicher gehen.

Regenjacke oder Regenschirm

Das Wetter ist unbeständig und es kann jederzeit zu regnen beginnen. Du gehst im Sonnenschein zur Meditationshalle und wenn Du rauskommst, kann es regnen. Es kommen auch längere Regenfälle vor und da möchtest Du sicher nicht immer im Regen zum Zimmer laufen oder zurück. Generell solltest Du das Laufen im Zentrum sowieso vermeiden.

Tagebuch

Auch für Leute, die sonst kein Tagebuch schreiben, empfehlen wir zumindest einen Notizblock mitzunehmen. Es kommen in diesen Tagen viele Gedanken auf und Du kannst sie einfach besser ordnen, wenn Du sie niederschreibst. Auch wenn Du das Notizbuch danach vielleicht nie wieder ansiehst oder es sogar wegwirfst, wird es Dir in der Zeit in Nilambe viel helfen.

Wie viel kostet es an einem Retreat teilzunehmen?

Die Teilnahme an einem Retreat ist grundsätzlich kostenlos. Um die laufenden Kosten zu decken, wird jedoch ein Betrag von 10.000 LKR (~ 50€) pro Person gewünscht. Nach oben ist natürlich immer Raum.

Für wen können wir das Meditationszentrum empfehlen?

Obwohl es ein buddhistisches Zentrum ist, musst Du kein Buddhist sein, um an einem Retreat teilzunehmen zu können. Nilambe ist in unseren Augen ein sehr guter Ort für „Meditations-Neulinge“. Wer sich grundsätzlich dafür interessiert, selbst aber noch nie meditiert hat und gerne mal einen Einblick gewinnen möchte, ist hier richtig. Wir hatten selbst keine Erfahrung mit Meditation, was überhaupt kein Problem war und wir konnten den Anleitungen gut folgen. Es ist aber auch ein Ort für erfahrene Meditierende. Auch bei unserem Retreat waren Leute dabei, die schon seit vielen Jahren meditieren. Grundsätzlich können wir diesen Ort jedem weiterempfehlen, da es eine wunderbare Erfahrung ist, sich mal bewusst mit sich selbst und seinen Gedanken zu beschäftigen – selbst wenn Du jetzt noch kein Fan von Meditation ist. Wer sich ein streng, buddhistisches Kloster vorstellt, ist hier aber an der falschen Adresse.

Unser Fazit

Für uns war die Zeit in Nilambe etwas ganz besonderes. Sechs Tage in der Natur sein, die Ruhe und den Frieden genießen ohne Autolärm, Internet und Strom hat uns in einigen Dingen die Augen geöffnet. Wir haben bemerkt, wie viel Zeit wir vor irgendwelchen Bildschirmen sinnlos verbringen und versuchen seitdem, uns mehr Zeit für uns selbst zu nehmen. Auch wenn wir jetzt nicht jeden Tag meditieren, lassen wir immer wieder Elemente des Retreats in unseren Alltag einfließen. Wir sind froh, diese Erfahrungen gemacht zu haben und möchten die Zeit in Nilambe nicht missen.

Du hast noch Fragen? Schreib uns einen Kommentar oder eine Mail, damit wir sie beantworten können!


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