Nach den Tagen inmitten der Ruinen von Angkor fuhren wir weiter in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh. Über unseren Aufenthalt in Siem Reap und die Besichtigung von Angkor könnt ihr >> hier << nachlesen. Wie es uns in einem fensterlosen Zimmer in Phnom Penh erging und was wir dort sonst noch erlebten, lest ihr in diesem Artikel.

#64/4.12. – Völlig fensterlos

Wir brauchten sechs Stunden, um von Siem Reap mit einem Bus von Sorya nach Phnom Penh zu kommen (10,88€). Der Bus der Billiglinie hatte zwar die üblichen „Kratzer“, war dafür aber nicht überfüllt und gut klimatisiert. Nach den Straßenverhältnissen in Laos kam uns die rüttelfreie Fahrt schon so vor, als wären wir auf einer Wolke gefahren. Deshalb hätten wir eigentlich bei der abendlichen Ankunft fit für lange Tuk Tuk-Verhandlungen sein müssen. Aber der Tuk Tuk-Fahrer war derart aufdringlich, dass selbst uns die Lust daran verging und wir uns etwas überteuert kutschieren ließen.

Schon auf der Fahrt zum Hotel waren wir sehr gespannt: Wir buchten nämlich ein relativ günstiges Zimmer in einem wirklich guten Hotel. Der einzige Haken am Preis: das Zimmer hatte keine Fenster. Nun wollten wir wissen, ob dies denn wirklich so schlimm ist, wie es der Preis befürchten lässt. Würde uns das Sonnenlicht abgehen? Wir konnten erstmal aufatmen, als wir das Zimmer betraten: Es war zwar klein, aber sauber und irgendwie gemütlich. Und es hatte eine echt gute Beleuchtung, die uns das Sonnenlicht ersetzte.

#65/5.12. – Der Vorteil eines guten Hotels

Am nächsten Morgen wurde uns aber schnell klar, dass nicht das Sonnenlicht ein Problem bei solchen Zimmern darstellt: Es ist die frische Luft! Obwohl es im Zimmer kein Fenster gab, suchte man auch nach einer Lüftung vergebens. Es wurde also schnell unerträglich stickig – also nichts wie raus aus dem Zimmer, tief durchatmen und ab zum Frühstücksbuffet!

Hier wurde uns der Vorteil eines guten Hotels schnell klar: Auf uns wartete nämlich ein Mega-Frühstücksbuffet! Unter vier Wärmebehältern und auf zwei Tischen befand sich alles, was das Herz begehrte: Von Spiegelei über frisches Obst bis hin zu Speck und Pfannkuchen war alles dabei. Könnt ihr euch vorstellen, wie wir uns vollgestopft hatten? 😅 Danach holten wir die Laptops und machten es uns auf einem kleinen Tisch in der Lobby gemütlich, um einen ausgiebigen Arbeitstag zu starten.

Zu allererst informierten wir uns über die Visa-Möglichkeiten für unser nächstes Land: Vietnam! Wir lasen nämlich durch Zufall, dass dies nicht so unkompliziert sein würde wie in Kambodscha, Laos und Thailand. Und tatsächlich stellten wir überrascht fest, dass ein Visa für Vietnam nicht an der Grenze beantragt werden kann, sondern bereits im Vorfeld genehmigt sein muss. Unser Glück war: In Phnom Penh gibt es viele Agenturen, die günstig und rasch eines organisieren können.

#66/6.12. – Dunkle Geschichte Kambodschas

Also ging es am nächsten Tag zu einer Agentur namens „Cina Travel“, um das Vietnam-Visa um 42$ p.P zu beantragen. Wir gaben unsere Reisepässe ab und hofften, dass wir sie rechtzeitig am Tag unserer Weiterreise wieder zurück bekommen würden. Unser Tuk Tuk-Fahrer (nein, nicht der aufdringliche vom ersten Tag 😉 ) wartete währenddessen, um uns anschließend zum Gefängnismuseum zu bringen. Wir wollten uns mehr mit der Vergangenheit Kambodschas beschäftigen und da blieb dieser Besuch nicht aus. In den 1970er Jahren wurden hier unter dem Diktator Pol Pot 20.000 Menschen gefangen gehalten und gefoltert. Nur eine Handvoll überlebte.

Folterzelle in S-21

Unsere Gefühle mischten sich bei der Besichtigung: Entsetzen, Trauer, Verständnislosigkeit und Beklemmung. Wir waren scheinbar nicht die Einzigen, denen es so erging, denn auch die anderen Besucher wirkten, als wären sie gerade damit beschäftigt, das Gehörte zu verarbeiten. Ein gut aufbereiteter Audioguide in mehreren Sprachen erzählt nämlich darüber, was in den einzelnen Räumen stattgefunden hatten. Sehr informativ, aber für uns auch nicht immer einfach zuzuhören.

Gedenkturm beim Killing Field

Nach dem Gefängnismuseum S-21 fuhren wir weiter zu einem „Killing Field“ am Stadtrand. Dorthin wurden die Gefangenen gebracht, wenn sie ihr Geständnis abgegeben hatten, um ermordet zu werden. Auch hier führte uns ein Audioguide durch das bedrückende Gelände. Es war ein Tag, an dem wir uns den Schattenseiten eines Landes zuwandten. Denn auch diese gehören zur Geschichte und zur Kultur und sind noch bis heute in der Mentalität der Menschen sichtbar. Wenn man wirklich in eine Kultur eintauchen möchte, kann man sich halt nicht immer nur mit schönen Dingen umgeben – finden wir jedenfalls.

#67/ 8.12. – Vorfreude

Im Gedanken bei der Geschichte des Landes, holten wir am letzten Tag rasch unsere Reisepässe ab, in denen nun ein Vietnam-Visa klebte. Die Agentur hatte die Frist eingehalten (zum Glück!) und wir waren echt überrascht, dass die Visa-Beschaffung so unkompliziert funktionierte. Bei der Abgabe der Reisepässe hatten wir trotz der Professionalität von Cina Travel ein mulmiges Gefühl, doch jetzt stand unseren Plänen nichts mehr im Wege. Wieder wartete ein Tuk Tuk-Fahrer vor der Tür, der uns zur Busstation brachte.

Dort stiegen wir erneut in einen Bus von Sorya, der uns nach Sihanoukville fahren sollte. Obwohl wir nur wenige Tage in Phnom Penh verbrachten, hatten wir doch das Gefühl, genug in der Stadt gesehen zu haben. Aber insbesondere verstanden wir nun die Mentalität der Menschen deutlicher besser.

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